Roy & Pris

Star Kitchen -  übertreiben ist nicht immer schlecht.

Zurück in die Zukunft oder nach vorn in die Vergangenheit? Das Roy&Pris knistert wie Reflektorfolie und leuchtet wie eine Sternschnuppe – gelandet ist das kosmologische Filmzitat mit asiatischer Küche in Berlin Mitte.
Die Zusammenarbeit zwischen den Berliner Gastronomen Axel Burbacher und Guanfeng Afon Guan mit ettlabenn hat Tradition. Das Toca Rouge war das erste Kapitel, darauf folgte die Long March Canteen und jetzt das Roy&Pris Starkitchen, für dessen Konzeption der Designer Darius Ghanai mit ins Raumschiff geholt wurde. Name und Interieur sind ein Blick in die Vergangenheit, ebenso wie in die Zukunft. Roy und Pris sind die Protagonisten des Science Fiction Klassikers Blade Runner, in dem Daryl Hannah und Rudger Hauer ein Replikaten-Duo spielen. Künstliche Menschen, ferne Welten, Reisen durchs Universum und bunte Zukunftsvisionen von der Welt 2019 – hierher gebeamt aus den tiefsten1980ern. Drei Jahre vor dem Tag an dem sich Vision und Realität treffen, hat sich die Zukunft der Vergangenheit schon als Kreation mit ästhetischen Fehleinschätzungen bewiesen. Die aber sorgen heute für einen besonderen stilistischen Moment, wenn sich Nostalgie und Futurismus kongenial treffen. Auf das Interieur übertragen, entsteht eine seltsam surreale Moderne mit viel Neon, Aluminium und einer Prise Outer Space.
Das Restaurant besteht aus drei Räumen. Schon der erste, bewusst dunkel gehaltene Raum mit Bar, zeigt deutlich kosmologische Referenzen. Gegenüber des Tresens gibt ein Durchbruch in Übersitzhöhe den Blick auf den Gastraum frei. Die hohen Hocker und ein raumlanges vorgebautes Bord erzeugen eine Zuschauer-Zuschauer Situation zwischen Restaurant und Barbereich, die zum Platzwechsel und zum Aperitif wie zum Digestif einlädt. Während Tresen und Rückwand dunkel gehalten sind, fällt frontal die in Falten gelegte und mit Acrylglas verblendete Aluminiumfolie auf. Wie ein dezentes ästhetisches Leitsystem weist sie den Übergang zum Küchenbereich aus.
Die Küche ist mit einem Speisetresen organisatorisch die Fortführung des Entrees. Farblich öffnen sich neue Welten. Die offene Küche präsentiert sich hell ausgeleuchtet und auf der Gastseite begegnet ein warmes Pink bis Lila-Nuancen. Die Dekoration besteht unter anderem aus transparenten Kugeln, in denen ein Bukett aus leuchtenden Kunstblumen zu schweben scheint. Pinke Hocker reihen sich entlang des hochglänzenden Tresens. Wer hier sitzt hat freien Blick auf Küche und Köche.
Angeschlossen zur Linken liegt der große Gastraum mit 40 Plätzen. Die bodentiefen Fenster öffnen den Raum zu zwei Seiten. Die rohen, hellgrauen Betonwände finden ihr farbliches Pendant bei den quadratischen Tischen, während Decke und Boden dunkel gehalten sind und die Grenzen des Raumes nach oben und unten auflösen. Die Inszenierung deutet die dunklen Weiten des Weltraumes an, die an der Stirnseite mit einer hinterleuchteten Sternenwand spezifisch aufgegriffen werden. Neben den dekorativen Spotlights, die sich aus vielen kleinen Kegeln zusammensetzen, ist die leuchtende Galaxie die einzige wahrnehmbare Lichtquelle. In dieser dämmrigen Raumatmosphäre setzen die blauen, mit Samt bezogenen Stühle nicht nur auf farbliche Akzente, sondern auch auf sinnliche.

FOKUS:

TOILETTE

Station Erde

Bei aller Außerweltlichkeit der drei Gasträume bringt der Waschraum die Gäste zurück auf die Erde. In der Mitte steht ein kreisrundes und übergroßes Waschbecken wie eine Skulptur. Die WCs sind hinter Balken-Wänden aus samt Borke gesägten Bäumen untergebracht, von der Decke hängt ein flächendeckender, grüner Dschungel. Und auch die Kabinen sind monochrom in Grün gehalten, mit einem Störer an der Decke: Blickt der Gast nach oben, entdeckt er einen Himmel aus hunderten akkurat arrangierter Mahjong-Steinchen.

FOKUS:

LASERLICHT

Catch the rainbow

Unter der Decke des Gastraumes wurden selbstleuchtende Schnüre in bunten Knallfarben gespannt, die wie ein scharf abgegrenzter Lichtstrahl durch die Betonträger schiessen. Diese Ästhetik zwischen Lichtschwert und Laserpistole ist eine klare Referenz an die Geburtsstunde des Films Blade Runner – und eine Licht-Illusion, die auch im zweiten Jahrtausend ungebrochen funktioniert.